Recyclinganlagen in Deutschland brennen bis zu 30 Mal täglich. Alle zehn Tage eskaliert eines dieser Feuer zum Großbrand. Der Schaden: rund eine Milliarde Euro pro Jahr. Warden Robotics aus Wolfenbüttel hat entschieden, das nicht als unvermeidliche Normalität hinzunehmen – und entwickelt autonomen Brandschutz, der eingreift, bevor die erste Flamme entsteht.

Ein Studienprojekt trifft auf ein dringendes Problem

Lucas Dehmel und Lukas Bartenstein begannen im Studium an der Ostfalia Hochschule und der TU Clausthal, was zunächst wie ein akademisches Projekt aussah: ein autonomer Feuerlöschroboter, der Brände erkennt, Rettungskräfte alarmiert und mit dem Löschen beginnt, bevor sich das Feuer ausbreitet. Drei Semester, ein achtköpfiges Team, eine Idee.

Auf der Hannover Messe 2022 stieß Konstantin von Haugwitz auf das Projekt. Als jemand, der seit über zehn Jahren aktiv in zwei Freiwilligen Feuerwehren ist und zuletzt als Teamleiter für Robotik bei der Fraunhofer Gesellschaft arbeitete, erkannte er sofort: „Das ist kein Forschungsprojekt. Das ist ein Unternehmen.“ Er brachte Hans-Jörg Göschl ins Team – einen erfahrenen Vertriebsprofi aus der Recyclingbranche. Ab Herbst 2022 gingen alle vier gemeinsam die Gründung an.

Das Problem ist neu – die alten Lösungen versagen

Was die wenigsten verstehen: Recyclingbrände sind kein altes Problem, das eskaliert. Es ist ein neues Problem, für das vorhandene Lösungen schlicht nicht gebaut wurden.

Der Grund ist die Batteriewelle. Lithium-Ionen-Akkus landen heute massenhaft im Restmüll und damit auf Recyclinghöfen. Eine einzige beschädigte Zelle kann einen Thermal Runaway auslösen – sie gibt enorme Wärme ab, trocknet den umliegenden Abfall aus, bringt ihn zum Ausgasen. Wenn sich eine Flamme entwickelt, ist es bereits zu spät. Wärmebildkameras, Rauchmelder, manuelle Kontrollgänge sind schon flächendeckend im Einsatz – und trotzdem brennt es, weil diese Systeme für konventionelle, offen entstehende Brände ausgelegt sind.

Warden Robotics setzt früher an. Ihre Drohnen patrouillieren das gesamte Gelände rund um die Uhr. Ein proprietäres multimodales Erkennungsmodul fusioniert Daten aus mehreren Sensorquellen gleichzeitig, eine zweistufige KI analysiert sie so, dass Schwelbrände und Glutnester erkannt werden, lange bevor sichtbarer Rauch oder eine Flamme entsteht. Bestehende Kameras, Löschmonitore und Alarmsysteme werden in die Plattform integriert und in einem zentralen Cockpit zusammengeführt.

„Wann könnt ihr bei uns anfangen?“

Den Moment, der das Team bestätigt hat, beschreibt es selbst am treffendsten: Als sie zum ersten Mal mit einem Recyclingbetreiber sprachen und ihm das Problem der Brände nicht erklären mussten – er fragte einfach, wann sie anfangen könnten.

Technologisch hat das Erkennungsmodul Technologiereifegrad 5 von 9 erreicht. Erste Praxistests mit einem mittelständischen und einem öffentlich geführten Recyclingbetrieb in Niedersachsen laufen bereits. Das Wissens- und Technologietransferzentrum der Ostfalia hat das Erkennungsmodul patentieren lassen, Prof. Dr. Tobias Dörnbach und Prof. Dr. Reinhard Gerndt begleiten das Startup akademisch. Mit dem EXIST-Gründungsstipendium und einer HTI-Förderung von 300.000 Euro ist die Finanzierung bis zur Marktreife gesichert.

Das Geschäftsmodell ist so einfach wie überzeugend: Brandschutz als vollständig verwalteter Robotics-as-a-Service. Recyclingbetriebe zahlen eine monatliche Abonnementgebühr – ohne Anfangsinvestition, ohne eigenes Personal für den Betrieb, ohne technischen Aufwand. Warden Robotics übernimmt Installation, Wartung und Monitoring vollständig. Für eine Branche, die Brände bislang als unvermeidliches Betriebsrisiko einkalkuliert, bedeutet das: erstmals aktiver Schutz zu kalkulierbaren Kosten – und das ab dem ersten Tag.

Dauertests, erste Runde, autonome Flotte

Warden Robotics sucht gezielt Pilotpartner*innen, die den nächsten Schritt mitgehen wollen. Recyclingbetriebe, die ihre Anlage zu einem der ersten vollständig autonomen Brandschutzstandorte in Deutschland machen wollen, sind eingeladen, sich dafür zu melden. Versicherungsunternehmen, die Brandprävention als strategisches Differenzierungsmerkmal begreifen, finden in Warden Robotics einen Partner, der Risiken messbar reduziert – bevor sie eintreten. Und Investor*innen mit Netzwerk in der Recyclingbranche oder im Versicherungssektor erhalten die Möglichkeit, früh in eine Technologie einzusteigen, die einen Milliardenmarkt neu definiert.

Kontakt und weitere Informationen: warden-robotics.com.

Bildnachweis: Warden Robotics.